Swipe (2015) Du sollst Dein Leben verbessern! Fordern tausende Ratgeber. Aber wie? Unzählige Menschen unternehmen denVersuch einer totalen Selbstoptimierung. Streben nach Anerkennung, nach Perfektion,nach Individualität; geleitet durch ein System, das vorkonfigurierte Lösungen zur Verbesserung des Daseins anbietet. Apps sollen unser Leben optimieren, strukturell und sozial: sie schlagen uns sogar den passenden Partner vor. Wir swipen uns durch die Welt. Die so ersehnte Individualität wird zur Massenware, wer sich ihr verweigert, bleibt außerhalb des Systems.

Nach der Performance Gloria beschäftigen sich Eva Borrmann, Larissa Rosa Lackner und Florina Speth erneut mit der in unser Privatleben eingreifenden Überwachungsmethodik und untersuchen die Auswirkungen auf unser Körpergefühl. Die Tänzerin dient als Versuchsobjekt einer von Selbstoptimierung gesteuerten Außenwelt. Sie bewegt sich auf der Fläche einer kapitalistisch gesteuerten Weltmaschine. Floskelhafte Ströme aus Texten der Positive Psychology, Selbstoptimierungsratgebern sowie hippen Cocreation- Snaps aus dem Finanzsektor illustrieren die Landschaft der Weltumgebung akustisch.

Der Mensch – so beinhaltet der Anspruch dieser Zeit, soll anpassungsfähig sein. Dies heißt: Adaptionen- durchgeführt in schnellstmöglichem Tempo, unter Konsum von Technologie, die Befolgung des Selbstoptimierungsditkats erleichtert. Der Konsum als solcher füttert wiederum die gefrässige Maschine des Kaptialismus, macht Einzelströme stumm, große Ströme leichter steuerbar, besser messbar, einfacher vorhersagbar. SWIPE soll sich also aus fragmentarischen Bildern unserer sich schnell verändernden und immer mehr in unser Privatleben eingreifender Überwachungs und Arbeitswelten zusammensetzen. Ein Spiel mit den Ängsten vor ferngesteuerten Selbstoptimierungsmechanismen und der Sehnsucht nach Liebe, die dem Reproduktionstrieb auf fundamentaler Ebene, gegenüber steht.

TEAM

Eva Bormann // Tanz, Choreographie
Larissa Rosa Lackner // Video , Regie, Fotografie
Florina Speth // Cello, Elektronik, Komposition
Christoph Bartsch // Bühnenbild
Vroni Speth // Kostüm

Ort: Künstlerhaus im KunstKulturQuartier, Nürnberg
Premiere: November 2015
Länge: 50 min.
Sponsoren: Tafelhalle im KunstKulturQuartier, Zuschüsse der Stadt Nürnberg, Tanzzentrale Nürnberg/Fürth e.V.


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https://vimeo.com/147936358
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